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L6e Fahrzeuge sowie L7e Fahrzeuge und ihre Vor- und Nachteile

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L6e-Fahrzeuge, auch bekannt als Leichtkraftfahrzeuge, oder Mopedautos, sind eine spezielle Kategorie von Fahrzeugen, die bestimmte technische Anforderungen erfüllen müssen. Diese beinhalten ein Leergewicht von maximal 450 kg, eine Motorleistung von bis zu 6 kW und eine Hubraumbeschränkung von maximal 500 cm³ bei Dieselmotoren. Benzinmotoren sind aufgrund der extremen Hubraumeinschränkung (50 cm³) in dieser Kategorie praktisch nicht existent. Stattdessen gewinnen Elektrofahrzeuge in diesem Segment zunehmend an Bedeutung aufgrund ihrer Laufruhe und besseren Fahrleistungen.

Funfact: Viele nennen L6e Fahrzeuge auch Microcars, Microcar ist allerdings eine Marke der Ligier Group. Um Verwechslungen zu vermeiden, könnte man Leichtkraftfahrzeug oder Mopedauto sagen.

L6e Fahrzeug Einsatzzweck als Campingbegleitfahrzeug
L6e Fahrzeug als Camping Begleitfahrzeug. Leichter als ein Smart, bleibt der Anhänger mit Mopedauto unter 750kg und kann von jedem gefahren werden.

Vorteile von L6e-Fahrzeugen:

  • Führerscheinanforderungen: In Deutschland können L6e-Fahrzeuge mit einem Führerschein der Klasse AM gefahren werden, den man bereits mit 15 Jahren erwerben kann. Dies macht sie besonders attraktiv für junge Fahrer.
  • Kraftstoffverbrauch und Umweltfreundlichkeit: Leichtkraftfahrzeuge verbrauchen aufgrund ihrer geringen Größe und Leistung deutlich weniger Kraftstoff als herkömmliche PKW. Elektromodelle sind zudem emissionsfrei und noch deutlich leiser als ihre Dieselgetriebenen Brüder. Außerdem werden für die Produktion eines Leichtkraftfahrzeugs viel weniger Ressourcen verbraucht. Das schont die Umwelt gleich doppelt.
  • Kosten: Die Betriebskosten (Versicherung, keine Steuer, kein TÜV) sind niedriger als bei normalen Pkw. Das gleiche gilt für die Anschaffungskosten, wenngleich viele denken, dass diese Fahrzeuge zu teuer wären.
  • Parken: Ihre kompakte Größe erleichtert das Parken in städtischen Gebieten erheblich. Zusätzlich bieten die kleinen Abmessungen große Vorteile beim rangieren.
  • Zugänglichkeit: Sie bieten eine günstige Mobilitätslösung für Menschen, die keinen regulären Pkw-Führerschein erwerben können oder wollen.

Nachteile von L6e-Fahrzeugen:

  • Sicherheit: Aufgrund ihrer geringen Größe und leichten Bauweise bieten L6e-Fahrzeuge zugegebener Weise weniger Schutz bei Unfällen im Vergleich zu normalen Autos. Gerade bei Jugendlichen ersetzen diese Fahrzeuge aber zunehmend den Roller, hier bieten sie Signifikant mehr Schutz.
  • Leistung und Geschwindigkeit: Die begrenzte Leistung und Höchstgeschwindigkeit (45 km/h) machen sie ungeeignet für Fahrten auf Autobahnen. Längere Strecken zu fahren ist zwar durchaus möglich, dauert aber wesentlich länger als mit einem normalen PKW.

Warum L7e-Fahrzeuge in Deutschland Schwierigkeiten haben

L7e Fahrzeug XEV YOYO
Bekannte Fahrzeuge wie der XEV YOYO werden in Deutschland gar nicht offiziell angeboten.

L7e-Fahrzeuge sind als vierrädrige Leichtkraftfahrzeuge mit höherer Leistung und Geschwindigkeit (bis zu 90 km/h) klassifiziert. Trotz ihrer theoretischen Attraktivität haben sie es in Deutschland schwer, sich auf dem Markt zu etablieren. Ein prominentes Beispiel dafür ist die Insolvenz der Firma Electric Brands.

Hauptprobleme und Schwierigkeiten von L7e-Fahrzeugen:

  • Sicherheitsprobleme: Obwohl L7e-Fahrzeuge schneller und leistungsfähiger sind als L6e-Fahrzeuge, bieten sie ähnliche Sicherheitskonzepte. Dies ist ein erhebliches Risiko, da höhere Geschwindigkeiten stärkere Unfallfolgen bedeuten können. Hier kann man auch leider nicht mehr so ohne weiteres mit einem Roller vergleichen, da diese Fahrzeuge klar als eine Alternative zum großen PKW gedacht sind.
  • Führerscheinanforderungen: In Deutschland ist für das Fahren eines L7e-Fahrzeugs ein Führerschein der Klasse B erforderlich. In vielen anderen europäischen Ländern genügt hingegen die Führerscheinklasse B1, die es in Deutschland nicht gibt. Dies schränkt den potenziellen Nutzerkreis erheblich ein.
  • TÜV und Steuerpflicht: L7e-Fahrzeuge müssen wie normale PKW regelmäßig zur Hauptuntersuchung (TÜV) und sind KFZ-Steuerpflichtig, was zusätzliche Kosten und Aufwände bedeutet.
  • Marktakzeptanz: Die meisten Verbraucher bevorzugen aufgrund der höheren Leistungsfähigkeit und Sicherheit herkömmliche Pkw.
  • Kosten: L7e-Fahrzeuge sind oft teurer als L6e-Fahrzeuge, und kaum Preiswerter als reguläre PKW was sie für preisbewusste Käufer weniger attraktiv macht.
  • Infrastruktur: Die vorhandene Infrastruktur ist nicht immer auf die spezifischen Anforderungen von L7e-Fahrzeugen ausgelegt, insbesondere was Ladestationen für elektrische Modelle betrifft.
  • Konkurrenz durch den Gebrauchtwagenmarkt: L7e Fahrzeuge konkurrieren in Deutschland mit normalen PKW und damit mit einem riesigen Markt an Gebrauchtwagen, die teilweise ein deutlich besseres Preis-Leistungs-Sicherheits-Verhältnis bieten.

Fallbeispiel: Electric Brands und die Modelle X-Bus und Evetta

X-Bus Camper und Evetta von Electric Brands

Electric Brands versuchte, mit innovativen Modellen wie dem X-Bus und der Evetta (eine Hommage an die klassische Isetta mit Elektromotor) auf dem Markt Fuß zu fassen. Trotz der vielversprechenden Designs und der steigenden Nachfrage nach umweltfreundlichen Fahrzeugen, konnte das Unternehmen die finanziellen und operativen Herausforderungen nicht überwinden und musste Insolvenz anmelden.

  • X-Bus: Ein modulares, elektrisches Nutzfahrzeug, das durch seine Vielseitigkeit und Nachhaltigkeit überzeugen sollte.
  • Evetta: Ein kompaktes, elektrisches Stadtauto, das nostalgisches Design mit moderner Technologie kombinierte.

Diese Modelle scheiterten trotz ihrer Innovation aufgrund der oben genannten Marktherausforderungen. Dies zeigt die Schwierigkeiten, mit denen Hersteller von L7e-Fahrzeugen konfrontiert sind, wenn sie in einen hart umkämpften Markt eintreten wollen, der zusätzlich noch mit einem riesigen Gebrauchtwagenmarkt normaler PKW konkurrieren muss. Zusätzlich sind die meisten aktuellen L7e Konzepte als Elektrofahrzeuge ausgelegt. Die Elektroeuphorie hat sich allerdings in den letzten Monaten zusätzlich deutlich abgekühlt.

Wir sind den XEV YOYO in Spanien gefahren

Fazit Während L6e-Fahrzeuge in Deutschland dank ihrer Zugänglichkeit und Kosteneffizienz immer beliebter werden, kämpfen L7e-Fahrzeuge trotz ihrer potenziellen Vorteile mit erheblichen Hürden. Die Insolvenz von Electric Brands und die Herausforderungen, denen sie sich gegenübersahen, sind ein deutliches Beispiel dafür, warum es L7e-Fahrzeuge schwer haben, sich in Deutschland durchzusetzen.